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Monty Python
Monty Python

Donnerstag, 19. April 2018

Entitäten

Ganz aufgeregt blinkt etwas in der
unteren Ecke meines Bildschirmes.

Das Netzwerk meldet: ein Freundschafts-
vorschlag sei soeben frisch eingetroffen -
also noch völlig unbenutzt und für mich
exklusiv reserviert - und es empfiehlt
als weiteres Vorgehen, das unverzügliche
Simulieren eines Interesses, ansonsten könne
man für die Frische der Freundschaft nicht
länger garantieren. Es wird daher zu einem
unverzüglichen Verzehr geraten - zeitnah,
also innerhalb eines bestimmten Zeitkontingents

Sie werde dann ungeeignet zum Konsum, wegen
der extrem kurzen Haltbarkeit. Das Angebot gelte
nur für begrenzte Zeit. Kurz  - stellte sich mir
die Frage: Wenn das abgelaufen ist, muß ich
dann entsorgen und wo kann ich das ? Und
kann ich auch umtauschen bei Nichtgefallen ?

Aber dann denke ich mir: Hoffentlich kein
Auslaufmodell, wie das letzte mal. Ansonsten
eine  kleine Aufmerksamkeit des Hauses,
nach langjähriger Aktivität,  warum nicht.

Noch etwas Freundschaft zwischendrin -
das nimmt man doch gerne noch einmal
mit. Ich muß gleich eh noch einkaufen.
Am liebsten ist mir Schokoladengeschmack.

Vollkommen beglückt über diesen Umstand
und das ausgerechnet ich auserwählt wurde,
aus der Menge der Bedürftigen, man mich für
würdig befand, um mir diese Botschaft
mitzuteilen, da draußen gäbe es jemanden,
der meiner Freundschaft teilhaftig zu
beabsichtigen täte, lasse ich adhoc alles
stehen und liegen, um ganz schnell bei ihm
zu sein, meiner neuen Errungenschaft auf
Facebook, die das gütige und erhabene
Netzwerk nach längerer und ausgiebiger
Recherche für mich persönlich
in die engere Auswahl gezogen hat.

Wie wird er wohl aussehen der Freund oder
womöglich eine /in. Welche Ansichten wird
er/sie vertreten in der aktuellen politischen
Weltlage usw. mein Herz pocht ganz wild
in Anbetracht dieses künftigen Ereignisses.

Vollkommen beglückt und berauscht darüber,
daß es draußen jemand gibt, der sich für
mich interessiert, freue ich mir ein Loch
in den Bauch und erzähle es, vor lauter
Hysterie und Begeisterung, gleich dem
Nachbarn. Woraufhin der erwidert, dies sei
ihm auch schon passiert. Sogar mehrmals.

Was für ein Aufschneider, dachte ich, ausgerechnet
der ? Als ob den schon jemals jemand für
würdig befunden hätte und schon gar auf
Facebook, wo die Eliten versammelt sind.

Elitepartner, dort trifft man sich, dort
kennt man sich. Was einen verbindet ist
die Einsamkeit.

Was ist es denn wohl, was diese Menschen
so sehr zu mir hin zieht ? Vielleicht mein
Tomatenbrot, dessen Stücke ich fein säuberlich
nebeneinander angeordnet habe oder womöglich
das Taschentuch, mit dem ich mir soeben noch
meine Nase zu putzen beabsichtigte ?

Das kann ich mir schon vorstellen - schon
ein Bekannter sagt immer - wenn du nicht
noch einmal ein ganz Großer wirst, allein
wie du dir die Nase putzt, das wird noch
einmal ein ganz entscheidender Faktor sein
in deinem Leben.

Und nun endlich ist es soweit. Unvermittelt
hat das Schicksal mich erwählt und mich
begünstigt in Form eines Freundschafts-
angebots, das mir freibleibend zugestellt
wurde.

Mir schwahnt: Ab jetzt wird sich mein Leben
komplett verändern. Komplett und vollständig.
Es wird ganz andere Prioriäten geben, die
Aufregung der High Society wird zum festen
Bestandteil meines Lebens werden. Das feine Leben,
es wird kommen und die große Karriere wird sich
unmittelbar daran anschließen.

Und alles nur aufgrund eines Freundschaftsvorschlages.
Was so ein Freundschaftsvorschlag alles bewirken
kann.

Wohlweißlich alles gute und trifftige Gründe, um
mir seitens dieses noch unbekannten Interessenten,
dieser Aufmerksamkeit teilhaftig werden zu lassen.
Zweifellos. Denn ich bin wer, ja ja, ganz furchtbar
wichtig, nein nein, das muß man schon anerkennen.

Möglicherweise ist es auch die besondere Art, wie
ich meine Socken anziehe (zumeist an den Füßen) und
das hat bereits die Aufmerksamkeit des Fremden
derart erregt und überzeugt und er dachte: Dieser
Herr muß ein Mann von Welt sein, der seine Socken
zu benutzen weiß. Ein Edelmann wohlweißlich.

Und aufgrund dessen stand ich im Focus, im Kreise
der Erwählten.

Näheres wird mir dazu nicht kundgetan, nur das Kästchen
blinkt weiter unten rechts, ganz aufgeregt, in einer Ecke
des Bildschirms und die Motive des Netzwerkes bleiben
zunächst im Dunkeln und unausgesprochen.

Das Netzwerk - man wirft etwas hinein und bekommt
nichts zurück. Das war immer schon ein großer Antrieb
für mich, Motivation, um dort zu verweilen und auf
bessere Zeiten zu hoffen, die jetzt auch endlich
eingetroffen sind.

Samstag, 14. April 2018

Echo Preisverleihung

inzwischen ist man es schon wieder gewohnt, daß
gewisse gesellschaftliche Kreise sich zunehmend
abwertend über bestimmte Volksgruppen von Menschen
äußern und daß es anscheinend der "Normalfall"
geworden ist, daß niemand daran Anstoß nimmt,
sondern alle nur ihre Patschehändchen zusammen-
klatschen, in dem festen Willen, sich nur
zu amüsieren, wie man es von Ihnen erwartet
unabhängig davon, auf wessen Kosten das
geht.

Sich zu tode zu amüsieren und alles in den
Dreck zu ziehen, was irgendwie nach Schwäche
aussieht oder einzigartig ist, das scheint inzwischen
sowas wie ein gesellschaftlicher Usus geworden zu
sein, auf dem man sich zusammen findet und
das einen miteinander verbindet. Das ist
auch nur eine andere Form der Anpassung
an das System:

Nach oben beten und nach unten treten.

Sicher auch ein Verdienst der Politik, die in
ihrer Gleichgültigkeit und Ignoranz wohl jeden
Vogel abschießt und gar nicht mehr den Versuch
unternimmt, ihre tägliche Heuchelei in irgendeiner
Form zu kaschieren.

Es ist fast nur mehr eine Randnotiz wert,
so sehr hat man sich schon an diese Art der
permanenten Diskriminierung und Beleidigungen
gewöhnt. Man hofiert die Ausgrenzung und
öffentliche Schelte von Menschen, die nicht
in ein Konzept passen oder Minderheiten
repräsentieren.

Man beugt das Recht und bezeichnet es als
Unrecht. Man verdreht die Wahrheit und
bezeichnet sie als Lüge. Man verhöhnt
die Armut und hofiert den Reichtum.

Inzwischen der "Normalfall" für eine
vermoderte Gesellschaft, die längst jeden
Maßstab verloren hat und nichts anders feiert,
als ihre eigene Dekadenz. Ihre entfesselte
Inhaltslosigkeit wird gekrönt.

Das Ergötzen an der eigenen Verkommenheit
bildet die neue Klasse. Das Weiden am Elend
anderer und die Ignoranz als gesellschaftliche
Grundlage bilden die neuen Werte einer so-
genannten "Demokratie, die längst nur noch
zum wertlosen Etikett verkommen ist und mit
dem Volk überhaupt nichts mehr zu tun hat.

Eine Worthülse ohne Bedeutung.

Kann man mal sehen, wohin uns die Ignoranz des
Bösen führt. Es breitet sich aus, weil es sich
sicher fühlt. Das Böse wird gesellschaftlich
toleriert und akzeptiert, es ist wie ein Feuer,
das man nicht bekämpft. Wenn man es ignoriert,
breitet es sich immer weiter aus.

Wenig überraschend, daß irgendeine Jury dann
allzu bereitwillig auch auf diesen Zug aufspringt,
um diese Entgleisung auch noch dadurch zu krönen,
indem man diesen "Künstlern" mit ihrem ausgeschissenen
Dreck einen Preis hinterher wirft, anstatt ihnen
mit einem Arschtritt die Tür zu weisen. 

Aneinandergereihte Pöbeleien, die Menschen, die
in Lagern gequält und gedemütigt wurden, durch
Texte noch einmal öffentlich bloßstellt und diffamiert,
ist nichts anderes als eine bodenlose Unverschämtheit
und unentschuldbare Frechheit. Es zeigt wie dreist
diese Menschen inzwischen auftreten und wie
respekt- und achtungslos sie mit ihrem Nächsten
umgehen. Sie sind das Resultat jahrelanger Ignoranz
und verfehlter Integration.

Es kann gar nicht anders sein. Gleichgültigkeit
ist der Boden für solche Texte

Aber wo das Niveau nur tief genug sinkt, gibt es
wohl immer jemanden, der bereitwillig applaudiert
und Bravo ruft. Und so auch jene, die für Geld alles
tun, sogar ihre Seele verkaufen.

Und natürlich wieder sind es einmal antijüdische
Ressentiments, die besonders und ausgerechnet in
Deutschland, wieder allzu gerne und zuvorkommend
bedient und aufgenommen werden und mit denen man
über eine "Skandalisierung" versucht, Kasse zu machen.

Wie sollte es anders sein. Ich selber erwarte nichts
anderes, von so einer Gesellschaft, die längst alle
Tabus nach unten durchbrochen hat und keine
Gelegenheit ausläßt, um jedem ihre wahre Fratze
zu zeigen.

Wie tief können Menschen eigentlich noch sinken,
frage ich mich inzwischen, um ihrer ansonsten fehlenden
Menschlichkeit, eine Stimme zu verleihen und Aufmerksamkeit
zu generieren, die ihnen ansonsten wohl verwehrt
bleiben würde.

Und wann hört man endlich damit auf, diesen Menschen zu
applaudieren und ihren Dreck, den sie zu produzieren
auch noch öffentlich zu loben und zu verbreiten.





Montag, 9. April 2018

Die verordnete Armut in Deutschland

es gibt vom Staat ein Interesse daran, daß es gewissen
gesellschaftlichen Gruppen unmöglich gemacht wird, die
Möglichkeit zu haben, durch eigene Arbeit genug zum Leben
zu verdienen. Zum einen durch diese völlig unsinnige 450 €
Regelung. Warum soll ein Mensch nicht soviel oder so
wenig verdienen können, wie er es möchte, ohne dafür
ständig durch unverhältnismäßig hohe Abgaben bestraft
zu werden. Das erschließt sich mir nicht. Ein Schwachsinns-
konstrukt wie die GROKO = große Komiker.

Diese 450 € Jobs sind Arbeitsplatzvernichter und
bieten überhaupt kein tragfähiges Konzept oder Fundament.
Sie bieten null Perspektive für jemanden, der das macht.
Es ist ein Teufelskreis, aus dem es kein Entkommen gibt.
Eine Falle ohne Ausweg.

Es findet im Niedriglohnbereich ein ruinöser Wettbewerb
statt, der all jene gegeneinander ausspielt, die davon
betroffen sind. Und es werden immer mehr, die einfach
keine andere Wahl haben, wenn sie nicht verhungern wollen,
weil die Lebenshaltungskosten ständig steigen und der
Billiglohn vom Staat großzügig gefördert wird.

Die Folge davon ist, Arbeitgeber werden immer frecher
und dreister in ihren Ansprüchen gegenüber ihren Mitarbeitern
und es wird immer weniger gezahlt für körperlich harte
und anstrengende Arbeit.

Natürlich werden diese Probleme von der Regierung
marginalisiert bzw. banalisiert. Aber Fakt ist,
kein Arbeitnehmer wird durch die Steuergesetze
so stark benachteiligt, wie der Niedriglöhner.

Er wird regelrecht bestraft, wenn er einen zweiten
oder dritten Job annimmt, weil man von einem einzelnen
dieser Billigjobs ohnehin nicht leben kann und es wohl
auch nicht soll, zumindest so die offizielle Verlautbarung,
auf der anderen Seite aber doch, wenn es sonst keine
Alternativen gibt. Und die gibt es nicht, weil keine
Entwicklung stattfindet, wenn das einzige Thema
das die Menschen bewegt ist, wo verdiene ich
morgen mein Geld. Für Entwicklung bleibt da gar
keine Zeit.

Der Aufstieg soll diesen Menschen unmöglich gemacht
werden. Sie sollen keinen Anteil haben am gesellschaftlichen
Leben, sie sollen finanziell vom Staat ausgegrenzt und
abhängig bleiben, damit der Macht über sie ausüben kann
und sie nach Belieben hin und her schubsen kann. Eine
Manövriermasse ohne Perspektive.

Aber diese Probleme werden unter den Teppich gekehrt
und totgeschwiegen, weil es schon längst keine Entwicklung
mehr gibt, für alle, die ganz unten sind. Sie bleiben
sich selbst und ihrem Schicksal überlassen in einer
immer neuen Spirale aus Armut und neuer Armut.

Und dann redet man immer so scheinheilig über Verantwortung
und meint damit wohl, daß das alles ganz okay ist, solange
es einem selbst noch gut dabei geht und der andere
die Arschkarte zieht.